7 Gründe, warum „Nein-sagen“ so wichtig ist

23. Juni 2017

Es tut manchmal richtig weh zu sehen, wie sehr sich Menschen verbiegen und selbst verleugnen, um nur ja nicht Nein sagen zu müssen.

Dabei kostet es sie so viel von ihrer wertvollen Lebenskraft und sie könnten es um einiges leichter und schöner haben.

Kennen Sie das?

Ihre Freundin ruft an: „Kannst du mir helfen? Biiiiiiitte.“ Noch ehe Sie einen Augenblick nachgedacht haben, antworten Sie auch schon: „Ja, klar.“ Erst als Sie aufgelegt haben hören Sie wie aus einem Hinterzimmer eine leise Stimme in Ihrem Kopf: „Eigentlich wollte ich mir nach dieser anstrengenden Arbeitswoche ein entspanntes Wochenende gönnen.“ Sie spüren Ihren verspannten Nacken und die müden Beine, trotzdem sagen Sie sich: „Aber eine Freundin kann man doch nicht hängen lassen.“

Es gibt gute Gründe, warum Sie künftig manchmal Nein sagen sollten.

… weil Sie damit Ihre Bedürfnisse und Grenzen achten – und damit sich selbst

Von anderen respektiert werden – wer will das nicht?

Dazu ist es notwendig, dass Sie sich selbst gegenüber achtsam sind und Ihre eigenen Wünsche ernst nehmen. Tun Sie das nicht, dann kommen Sie immer wieder zu kurz. Das fühlt sich nicht gut an und schwächt auf Dauer Ihr Selbstwertgefühl.

Wann immer jemand etwas von Ihnen will, ist es darum zunächst einmal gut, wenn Sie in sich selbst hineinhören, um zu merken, was Sie aktuell wollen und brauchen. Dabei hilft schon, sich anzugewöhnen, kurz innezuhalten, um zu schauen: „Wie geht es mir gerade? Was brauche ich für mein Wohlbefinden?“ Ist eine spontane Entscheidung gefragt, dann kann das auch sein: „Wie fühlt sich ein Ja für mich an? Und wie fühlt es sich an, wenn ich dieses Anliegen ablehnen darf?“, „Was fürchte ich bei einem Nein?“, „Welche Vor- und Nachteile hat das Ja?“ …

Im Kontakt mit anderen kann es helfen, sich klar zu machen, dass es neben dem Ja auch noch eine zweite Möglichkeit gibt, nämlich das Wort mit vier Buchstaben.

Das ist für beide Seiten gut so. Denn wenn in Beziehungen ein Bedürfnis auf Kosten eines anderen erfüllt wird, entsteht ein Ungleichgewicht, durch das nicht nur Sie selbst, sondern auch Ihre Beziehung leidet.

Bevor das nächste Mal automatisch Ihr gut gemeintes und gut trainiertes Ja über die Lippen will, erinnern Sie sich daran: „Ich darf auch Nein sagen.“

… weil der Ja-Modus Sie zum Reagierenden macht

Wer selbstbestimmt leben will, muss Akteur in seinem eigenen Leben sein. Wenn Sie immer wieder Ja sagen, obwohl Sie nicht wollen, verlieren Sie zunehmend an Freiheitsgraden. Sie reagieren dann nur mehr.

Wenn Sie jedoch fremdbestimmt leben, werden Sie dadurch automatisch passiv, obwohl Sie ständig für andere beschäftigt sind bzw. so viel für andere tun.

In so einem Ja-Modus gefangen, gleicht das Leben immer mehr einem Tennisspiel, in dem Sie wie ein Ball von anderen dirigiert werden.

Wenn Sie sich bewusst machen, dass Sie das Recht und die Freiheit haben, auch Nein zu sagen, dann zeigt Ihnen das Ihren Handlungsspielraum auf. Sie kriegen das Gefühl, dass Sie eine Wahl haben und Ihr Leben beeinflussen können. Sie bestimmen, wo der Ball hinfliegt. Das gibt Ihnen ein Gefühl der Freiheit.

… weil Sie dann nicht so leicht ausgenutzt werden

Als Ja-Sager-Mensch bieten Sie keine Grenzen und sind oft für andere wie unsichtbar. Dadurch werden Sie leicht übersehen, übergangen und überrumpelt.

Wenn Ihnen so etwas widerfährt, verwandeln sich Ihre Mitmenschen in Ihrem Kopf manchmal in „Bösewichte“, die Sie scheinbar eiskalt ignorieren und nur an sich selbst denken. Doch es gibt für solche Situationen vor allem zwei mögliche Ursachen:

  • Ihre Mitmenschen sind das Ja von Ihnen schon gewohnt, nutzen das aus und setzen damit durch, was sie gerade wollen und brauchen.
  • Oder andere gehen über Ihre Grenzen, weil sie diese gar nicht erkennen.

In beiden Fällen fühlt man sich übergangen, vielleicht auch ausgenutzt und wenig geschätzt. Der „Unsichtbare“ denkt immer öfter, dass er unwichtig und wenig wert sei. Dadurch verliert er immer mehr Kraft und der innere Groll steigt. Das alles vergiftet die Beziehung.

… weil ein Nein auch wichtig für Ihr Umfeld ist

Damit Ihre Mitmenschen Ihre Bedürfnisse und Grenzen erkennen können, müssen sie merken, dass es Sie als Person gibt, wer Sie sind, was Sie wollen – und was nicht. Das können die Menschen um Sie herum aber nur merken, wenn Sie sich zeigen.

Auch hier gilt: Durch kleine Schritte kommen Sie ans Ziel!

Fangen Sie mit dem Nein an, indem Sie klare Signale und Botschaften senden. Beginnen Sie mit unbedeutenden Kleinigkeiten. Schließen Sie sich nicht automatisch den anderen an, in welches Lokal Sie heute zum Essen gehen oder welchen Film Sie gemeinsam schauen.

Schlagen Sie immer öfter mal was freundlich aber bestimmt aus. – „Nein, danke, für mich nicht“, wenn Sie dazu neigen, aus Höflichkeit Ja zum extra Stück Kuchen zu sagen. Oder „Pizza lacht mich heute gar nicht an, ich hätte Lust auf indisch!“

Sie sehen: Ein Nein muss gar nicht grob sein!

Lassen Sie Ihre Mitmenschen also nicht mehr länger im Dunkeln über Ihre Bedürfnisse tappen. Man muss nicht raten müssen, was Sie wollen.

Sagen Sie künftig also immer öfter Ja, wenn Sie Ja meinen und Nein, wenn Sie Nein meinen. Damit wecken Sie in anderen das Vertrauen, dass Sie wirklich sagen was Sie wollen. Niemand mag angelogen werden und zum Beispiel ein Ja auf eine Einladung hören, wenn man eigentlich nicht kommen will.

… weil Sie dadurch für Ihre Mitmenschen greifbar werden

Wenn Sie auch Nein sagen, geben Sie den anderen Gelegenheit Sie so kennen- und schätzen zu lernen, wie Sie wirklich sind. Jeder Mensch ist anders, von daher ist es also ganz natürlich, dass es Grenzen und Unterschiede zwischen uns und unseren Mitmenschen gibt.

Grenzen müssen jedoch nicht notwendigerweise etwas Trennendes haben.

Sie können Grenzen auch als Berührungslinien sehen: Wenn Sie Ihre Bedürfnisse und Ihre Haltung klar machen, bekommen Sie eine Kontur und werden damit für andere erkennbar und fassbar. So und vielleicht nur so finden Sie die Menschen, die Ihnen liegen, die wirklich zu Ihnen passen und Sie gut ergänzen.

… weil Sie dadurch mehr Spielräume für Ihr eigenes Leben gewinnen

Jedes Leben ist kostbar und ein Geschenk. Und die Lebenszeit hier auf Erden ist begrenzt. Darum ist es sinnvoll, sich immer wieder zu fragen: „Was will ich?“, „Was brauche ich?“, „Wo will ich hin?“, „Wer will ich sein?“, „Was tut mir gut?“, „Was interessiert mich gar nicht?“, und zwar nicht nur, was die großen Lebenspläne angeht, sondern auch und ganz besonders in den Kleinigkeiten des Alltags. Da ereignet sich Leben. Da bestimmen wir, wie wir unsere Zeit und Energie einsetzen und mit wem wir uns umgeben.

Nur wenn Sie darauf achten, wo Sie hin wollen, was für Sie passt und was weniger, können Sie klar Ja und Nein sagen. Dadurch können Sie sich für die Dinge einsetzen, die Ihnen in Ihrem Leben wichtig sind, ihnen genügend Aufmerksamkeit schenken. So bringen Sie sie zum Wachsen und Gedeihen, wie Blumen, die durch sorgsame Pflege eines Tages in ihrer strahlenden Schönheit erblühen.

…weil jedes Ja auch ein Nein ist

Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie sich von Zeit zu Zeit bewusst machen:

Ein falsches Ja zu anderen ist immer ein Nein zu sich selbst.
Ein echtes Nein zu anderen ist ein Ja zu sich selbst.

Und nicht zuletzt: Sie wollen doch bestimmt nicht allen anderen nachlaufen, sondern Ihren eigenen Weg gehen. Seien Sie sich also selbst ein guter Begleiter und treuer Freund!

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit diesen Zeilen ein bisschen Mut machen konnte. Mut, Ihre eigenen Schritte zu wagen.

Herzlich Ihre
Simone Fröch


Anmerkung: Wollen Sie besser und selbstbewusst Nein sagen können? Ein Coaching kann helfen, dem gewünschten Ziel in Begleitung einer Expertin Schritt für Schritt näher zu kommen.

Bild: © reaschiffer.at